Produktive Perspektiven – Lübeck

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Projektbeschreibung

Projektbeschreibung
(Abgabeleistung der Studierenden)

 

 

Das Auto ist im Allgemeinen ein viel diskutiertes Thema in deutschen Städten und so auch in der Hansestadt Lübeck. Während in den 1960er Jahren der Individualverkehr in der Innenstadt gefördert wurde, um die Stadt zu beleben, gibt es heute viele Regelungen um den Verkehr zu beruhigen. Dabei gehen jedoch die ansässigen Händler in der Einkaufsstraße auf die Barrikaden, weil sie es für unerlässlich halten, den Kunden einen Parkplatz in unmittelbarer Nähe zum Laden, zu bieten. Und so kommt es, dass den PKWs in Lübeck beim Parken der rote Teppich ausgerollt wird. Es gibt quasi „Parken mit Aussicht“, da dem Auto teilweise die 1A-Lagen der Stadt überlassen werden. Kaum zu glauben, aber leider wahr, wie auch der Star-Stadtplaner Jan Gehl bei seinem Lübeck-Besuch im Januar verblüfft feststellte. Seien es Parkplätze in der ersten Reihe entlang der Trave, dem Fluss, der die Lübecker Altstadtinsel umgibt, oder auch ein neu gebautes Parkhaus mitten in der historischen Altstadt. Das Parkhaus St. Marien wurde Mitte 2017 neu eröffnet.

Hier haben die Autos einen ausgezeichneten Blick auf das bekannte Buddenbrockhaus und die Kirchtürme von St. Marien, zweien der sieben Lübecker Türme. Doch damit nicht genug. Dieses 8-geschossige Ungetüm von Parkhaus glänzt jeden Tag mit einer hohen Anzahl freier Parkplätze, worauf das Architekturforum Lübeck e.V. auf seiner Facebookseite gerne aufmerksam macht. Und genau dieses Parkhaus war auch uns, den fünf Studierenden des 2. Semesters im Masterstudiengang „Städtebau und Ortsplanung“ an der Fachhochschule Lübeck, ein Dorn im Auge. Wir stellten uns die Frage was mit einem Parkhaus, das schon jetzt zu keinem Zeitpunkt ausgelastet ist, passieren sollte, wenn es in Zukunft, aufgrund des „Wandels im Handel“, immer mehr Leerstand in der Innenstadt gäbe. Ein Abriss des Parkhauses kam, nach unserer Meinung, aufgrund der enormen Unwirtschaftlichkeit (das Parkhaus ist keine 2 Jahre alt) nicht in Frage. Das heißt wir mussten eine Lösung finden, die vorhandenen Flächen umzunutzen. Nach reiflichen Überlegungen, kamen wir zu dem Schluss, dass eine urbane Fabrik den Leerstand beheben und sich daraus Synergien für die gesamte Innenstadt entwickeln würden. Quasi: „Back to the roots“, zurück zur innerstädtischen Produktion.

Der zentrale Aspekt, den die urbane Produktion hervorruft, ist die Reintegration der lokalen Wertschöpfung in den städtischen Organismus. In der Zukunftsstadt werden Industrie und Warenverkehr so wieder integraler Bestandteil der Gesellschaft und prägen den Alltag. Für die Bewohner der Lübecker Innenstadt bedeutet dies nicht nur eine Möglichkeit, neue, vielfältige Arbeitsplätze in kurzer Distanz zu erreichen, es entstehen so auch neue Möglichkeiten der Kollaboration zwischen Forschung, Wirtschaft, Kultur und gesellschaftlicher Teilhabe. Einhergehend mit neuen Möglichkeiten der Produktion in der Stadt, verändert sich auch die Struktur des Stadtorganismus. Anstelle einer monofunktionalen Stadt des Einzelhandels, entstehen neue Räume mit einer hohen funktionalen Dichte. Deshalb kann der zunehmende Leerstand der Einzelhandelsflächen eine sinnvolle Umgestaltung zu funktionalen Elementen urbaner Produktion erfahren. Besonders mit neuen logistischen und technischen Entwicklungen können spezielle Produktionen auch innenstadtnah integriert werden. Kreativwirtschaft und Wissensproduktion suchen kleinteilige Flächen mit qualitativen Freiräumen. Gleichfalls können neue Kombinationen von Wohnen und Arbeiten für kleinere Produzenten, als auch Räume der Gemeinschaft und Kollaboration entstehen, welche das neue Stadtleben prägen. Dieses Geflecht schafft Synergien und kann stadtweit neue Möglichkeitsräume entstehen lassen. Durch die unterschiedlichen Produktionsbeziehungen entstehen neue Mobilitäts-verflechtungen der Teilräume.

Mit kurzen Wegen und neuen Liefermethoden, wie Drohnen und Lastenrädern, können diese Verbindungen lärm- und emissionsarm bewältigt werden. Logistik-Hubs, von welchen die Waren weiterverteilt werden, sind für die Stadt unerlässlich, um den Logistikverkehr auf wenige Bereiche zu beschränken. Durch die Reintegration der Produktion in der Innenstadt entstehen neue Chancen für die Lebendigkeit öffentlicher Räume. Anstelle von Einkaufsstraßen treten vor allem Wohnen und Arbeiten wieder in den Fokus der Lübecker Altstadt.

 

Universität

Technische Hochschule Lübeck

Bearbeitungszeitraum

April – Juli 2018

Bearbeiter*innen

Anika Buchmaier
Faber Füllberg
Jonas Germer
Gabriel Götze
Marlene Grünert

Betreuung

Prof. Dipl.-Ing. Frank Schwartze
Anika Slawski, M.A

Studiengang:
Stadt- und Regionalplanung

Kategorien:

Anerkennung
Einzelhandelsstandorte
Logistik
Nahversorgung
Wettbewerb 2018